Montag, Juni 16, 2008

I GESANG


Sage mir, Muse, die Taten des vielgewanderten Mannes,
Welcher so weit geirrt,Selbst da das Jahr nun kam im kreisenden Laufe der Zeiten,
Da ihm die Götter bestimmt, gen Ithaka wiederzukehren;
Hatte der Held noch nicht vollendet die müdende Laufbahn,
Auch bei den Seinigen nichtKein Erbarmen für ihn, Olympier?O wie könnte doch ich des edlen Odysseus vergessen?
Sein, des weisesten Mannes, und der die reichlichsten Opfer
Uns Unsterblichen brachte, des weiten Himmels Bewohnern?Nicht zu töten, allein von der Heimat irre zu treiben.
Aber wir wollen uns alle zum Rat vereinen, die Heimkehr
Dieses Verfolgten zu fördernUnd ein edler Ruf ihn unter den Sterblichen preiseWilde Barbaren, die dort mit Gewalt zu bleiben ihn zwingen.
Aber ich will dir anitzt weissagen, wie es die Götter
Mir in die Seele gelegt, und wie's wahrscheinlich geschehn wirdSorge nun selber für dich, und nimm die Rede zu Herzen.Staunend kehrte die Mutter zurück in ihre Gemächer,
Und erwog im Herzen die kluge Rede des Sohnes.Sage, woher ist der Mann? und welches Landes Bewohner
Rühmt er sich? Wo ist sein Geschlecht und väterlich Erbe?
Oder kam er hieher in seinen eignen Geschäften?Warum eilt' er so plötzlich hinweg, und scheute so sichtbar
Unsre Bekanntschaft? Gewiß, unedel war seine Gestalt nicht!Also lag er die Nacht, mit feiner Wolle bedecket,
Und umdachte die Reise, die ihm Athene geraten.
Ich und der Lotus sind ein Totus
Vor kurzem zurückgehrt, den Kopf und das Herz voller Projekte, begann das Jahr kalt mit den Christrosen im schneebedeckten Balkonkasten. Der Garten im Hinterhof schlief. Frau und Mutter froh über die Heimkehr.
Der 30.Geburtstag begann mit einer Fahrradtour auf dem Ehegeschenk durch das Wohnzimmer. Der Plan der Kunstodyssee gefasst, das Konzept ein work in progress. Die österlichen Sonnenstrahlen vertrieben die letzten Reste der Melancholie.
Manisch und faustisch die Gefühle. Narrengeburt: Jokerman, Trickster, Gottesplan. Die Träume Tag und Nacht unaufhörlich reißend Strom der Reifung, Rundung. Es blühten Geist und Seele und Garten. Goldene Narzissenzeit.
Der Uroborus, Animus, der Weise, Helden, Pegasus, Reise, Führer, Mandala, Kugel, Punkterfahrung, Narr, Urmutter, Ozean… Die Fülle wird zum Opfer, Rituale, Christusbruderschaft. Mystisch-manisch tief wird das Erleben in die Zellen;
Atomarer Tanz, Religionen, religiöses quellen, musisch klingen mir die Schwingen und das Selbe selbt. Eros sehnt sich, schweigend nur der Cupido. Eins im Einen. Allumfassend Urgrund ,Urvertrauen, Liebe, jedes zellulare Photon strahlt unendlich.
Ewigkeit, die Zeit ist los, die viel kritisierte , stets unmöglich erklärte Zeitlosigkeit, Glückseligkeit, mein Urknall bleibt, durchgeknallt von nun an alle Zeit. Das Wissen eindeutig klar. Gelöbnis eidestreu geschworen Gott.
Der Atheismus wird zum Ah vorm Theo. Staunend in den Wundern wird das philosophisch Wissen glaubensfest. Metaphysisch Tranzendenz geheimnisvoll. Idealistisch stets schon in der Tat gründ ich materialistisch mich im Unerkennbaren.
Ich und der Lotus sind ein Totus. Grüßt Saturn und Zahlenspiel im Dürerbild. Kugelbuddha Bu roll ich nun, umrunden werd ich den Planeten reisend in den Abenteuern auf fünf Kontinenten , virtuell in Zukunft sintemal.
Heiß der Sommer. Vom Balkon ruft stets die Mutter nach dem Markt zum Essen, bereitet von der Köchin. Frau wird stetig sorgenvoll. Ärger, Streit, Spülwasser wird mir Wassergrab. Esoterisch Bücherstapel. Aufmerksam nach Krishnamurti.
Wassersprengen oft ists nötig. Regenbögen produzier ich stundenlang mit dem sprudelnd Gartenschlauch. Bambusstöcke trommeln auf das Wasserfaß. Rosenmeer so rot wie Blut klettern voll die Wände. Clematisblüten künden Freude.
Und es kommt die Nacht des 8/9.8.83. Träume hell luzid bei Mutter, Sohn. Vergessen werd ichs nie. Auf dem Berggipfel sieht die Mutter mich, weiß gewandet, ausgebreitet beide Arme, kündend von den Himmelreichen. Stark verstört erzählt des Morgens sie den Traum.
Dem Sohn in gleicher Nacht träumt zu salben sich am nächsten Tag und taufen sich im eignen Teich. Aktion in Traumbotschaft wird Pflicht ihm für den nächsten Tag. Er meldet abends zur Messe sich beim Pfarrer seiner Taufkirche an.
„Kommen Sie und beten, wie Sie wollen.“ Sprach ich doch von eigner Art. Ein Laken in drei Teile wird gerissen, geschürzt um Mitternacht geölte Lenden. Der ganze Mann ist splitternackt. Bemalt in bunten Farben das Gesicht zum Krieg.
Gefüllt die Hand mit Luftballons, ein Plastikschild, ein Platikschwert. Noch vor dem Sonnenaufgang steigt auf die Terassenmauer dann der Menschensohn zu grüßen Sonne tief im Osten schon beim Aufgang ihn zu segnen für die Kunst.
Was ich weiß von Kunst seit Magie, Mythos und Vernunft pack ich rein in christologisch relektiertes Happening. Soziale Plastik soll es werden, erweitern seinen Kunstbegriff. Auftakt zur Manie als Kunst. Fest geplant improvisationsgefüllt für zwanzig Jahr.
Die aufgeblasenen Luftbalons umbaumeln ihn. Das Glockengeläut verklingt, das akademische Viertel es ist verstrichen, ich schreite seelenruhig und öffne Kirchentür St.Michael. Ein Dutzend Leute in den Bänken am Altar.
Der Priester zum Altar mir nur den Rücken zeigt. Mein Schrei nun hinter ihm, jagt ihn erschrocken vom Altar zur Seite. Und flach zur Weihe lieg ich alle Viere weit nun am Altar. Shalom gewaltig durch die Kirche schallt.
Ich spür das Zittern. Schlotternd Priester, Gemeinde schaudernd kreidebleich. Ein Glück, daß keine Oma stirbt. Ein Sprung. Mit Schild und Schwert steh majestetisch Krieger ich auf dem Altar. Ein Narr geformt aus Künsten und realer Welt.
Platz nehm ich auf dem Tabernakel, verkünde vom symbolisch Thron auf symbolisch Himmel, dem Altar die Wiederkunft und das Gericht. Den Michael, die Engel und die ganze Heiligenschar ruf ich, der Künstlermenschensohn.
Dem Satan künd ich Verderben. Den Frieden bringe ich und seh in offener Tür schon meinen Krieg. Die Polizei. Kunstgebet wie meine Art wohl zu katholisch, nicht erwünscht, wo doch zuvor ich eingeladen am Abend noch zuvor.
Mir schwant was kommt die zwanzig Jahr. Mit beiden Armen auf dem Wagen und weit gespreizt die nackten Füße betasten Polizisten mich. Ein Foto noch. Ein Nachbar kommt:“Das macht er jedes Jahr.“ Und schon geht los die Fahrt unter Protest.
Die Neurologie der Städtischen Kliniken zuerst. Ich warte ruhig, antworte klar. Mein Aufzug erregt Verwunderung bei Ärzten, Personal. Soweit, so schlecht und weiter geht’s in der Eskorte nun zum Irrenhaus.
Dem Irrenarzt erklär ich klar in vernüntigem Diskurs kurz und knapp in einer guten halben Stunde die Aktion, erzähl noch Anekdoten über die Bekanntschaft mit Beuys im Düsseldorfer Büro für direkte Demokratie Mitte Siebziger.
Ich bräuchte Salz aus Apotheken, sagt er. Ich denk, der spinnt. Gebadet werde ich, Genuß. Der Kleiderschrank ist voll, ich mach mich schick und fahr nach Haus. Drei Stunden Irrenhaus, das reicht. Gestaune vor dem geistig Auge , Geraune der Patienten noch im Ohr.
Zuhause wartet schon das Essen und keiner hats gemerkt, was ist passiert. Den Nachmittag verbringe ich im Garten und habe Spaß, bin freudevoll. Das war gelungen rundherum. Ich denk wies weitergeht nun in der Kunstodyssee nach abgeschlossenem Gesang zum ersten.
Die Coda wird ein Friedensakt. Zum Nachbar geht’s zum Dreizehnten.
Der Taubenschlag ist voll Gegurre. Geliehen bekomm ich eine weiße Taube, obwohl der Nachbar irritiert. „Es dient dem Frieden.“ Er ist beruhigt. Die Sonne scheint, es ist 15.00Uhr. Ich laß die Taube steigen gen Blau des Himmels zu hoffnungsvollen Friedensflug.Masken vor.

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